Volkskultur & Hochzeitsbräuche

Alte Bauernweisheit

Vom Böllerschießen zur verkehrten Unterwäsch‘, von der Morgengabe bis zur Katzenmusi‘,…
Hochzeitsbräuche und Traditionen leben bis heute. Findet anbei einen kleinen Auszug aus den schönsten, manchmal auch skurrilen Bräuchen, Sitten & Symbolen:

Böllerschießen
Das Böllerschießen ist ein lang gehegter Brauch, dessen Ursprung bis ins 14. Jahrhundert zurück geht und an besonderen Festtagen ausgeübt wurde. Bereits sehr zeitig in der Früh feuern die Böllerschützen die ersten Salutschüsse ab, was für ordentlich Lärm sorgt und das Brautpaar bzw. die Braut weckt. Jedoch dient das Schießen nicht (nur) dazu, den Tag gebührend zu begrüßen oder die Braut zu wecken. Der Aberglaube besagte in alter Zeit, dass man damit böse Mächte und Dämonen vertreibt. Und auch das Brautpaar sollte von diesen verschont bleiben. Vielerorts wird dieser Brauch noch praktiziert und werden die Schützen anschließend mit einem ordentlichen Frühstück belohnt.
Leider kommt es mitunter vor, dass sich Nachbarn oder Anrainer nicht mitfreuen können oder wollen und für Brauchtum wenig Verständnis zeigen. Deshalb sollte man Folgendes beachten:
Für das Böllerschießen ist eine behördliche Bewilligung der Bezirksverwaltungsbehörde erforderlich und darf dieses nur unter Verwendung von Böller- bzw. Salutkanonen mit Böllerpatronen sowie Sicherheitsböllern durchgeführt werden.
Das Entzünden von Gas-Sauerstoffmischungen zur Erzeugung einer Knallwirkung unterliegt nicht dem Reglement des Pyrotechnikgesetzes.
Auch wenn hier keine behördliche Bewilligung erforderlich ist, empfiehlt es sich, mit der örtlichen Bürgermeisterin/dem örtlichen Bürgermeister, der Polizei und gegebenenfalls auch mit der Feuerwehr Kontakt aufzunehmen und die Schießzeiten abzusprechen (Lärmbelästigung). Ungebührlich störender Lärm stellt eine Verwaltungsübertretung dar und kann mit einer Geldstrafe bis zu 2000 Euro bestraft werden.
Nichts desto Trotz: Ich hoffe dieser Brauch bleibt uns noch sehr lange erhalten, gehört er doch schließlich zu unserer Volkskultur!

Morgengabe
Die Morgengabe ist ein Geschenk des Ehemannes an seine angetraute Frau, welches er ihr am Morgen „nach“ der Hochzeit macht. Die Morgengabe diente ursprünglich der finanziellen Absicherung der Ehefrau, falls dem Ehemann etwas passieren sollte. Es ist ein alter und weit verbreiteter Brauch der in Österreich ab dem Jahr 1811 sogar im Allgemein Bürgerlichen Gesetzbuch verankert war. Nach fast 200 Jahren wurde er schließlich im Jahre 2009 von der Gesetzgebung aufgehoben.
Hat der Bräutigam einst seiner Braut ein Stück Land oder eine ordentliche Summe Geld vermacht, so ist heute die finanzielle „Verpflichtung“ der Liebe & Romantik gewichen. Heute schenkt zumeist nicht nur der Ehemann, sondern auch die Ehefrau ein Präsent zur Morgengabe, welches zuvor mit Liebe und Bedacht ausgewählt wurde und ein Symbol für die innige Verbindung der beiden Frischvermählten darstellt. Viele Paare leben diesen Brauch und verstecken das Geschenk am nächsten Morgen entweder unter dem Kopfkissen des Ehepartners oder überreichen es beim gemeinsamen After-Wedding-Brunch. Wird in manchen Regionen vereinzelt noch Land oder Geld vermacht, so schenkt man im 21. Jahrhundert doch überwiegend Schmuck oder schöne Zeitmesser. Ob diese neu sind, vielleicht auch ein „altes“ Stück mit besonderer Bedeutung oder gar ein Erbstück… Es ist das erste Geschenk zwischen den Frischvermählten und deshalb etwas Besonderes.

Katzenmusi‘
Dieser uralte Tiroler Brauch findet entweder einen Tag vor der Hochzeit (spätabends) oder in der Hochzeitsnacht, nachdem sich das Brautpaar vom Fest zurückgezogen hat, statt. Dabei wird das Brautpaar von einer Gruppe Katzenmusikanten, ausgestattet mit Topfdeckeln, Pfannen, Stecken und Blechdosen, besucht. Diese sorgen dann vor dem Fenster mit ihren Instrumenten für gehörig Lärm und bleiben solange, bis das Brautpaar zu einer ordentlichen Jause lädt. Dann sitzen Katzenmusikanten und Brautpaar noch beisammen, essen und trinken und haben Spaß.

Verkehrte Unterwäsch‘
Ein etwas seltener und skurriler Brauch ist die „Verkehrte Unterwäsch“. Aber vielleicht hilfts: Ein alter, österreichischer Brauch besagt, dass die Braut am Hochzeitstag ein Stück ihrer Unterwäsche verkehrt tragen soll. Damit sollen die bösen Geister verwirrt werden und das Weite suchen.

Brautstrauß
Der Brautstrauß ersetzte seinerzeit den Haarkranz der Braut. Heute ist der Brautstrauß bei einer Hochzeit nicht mehr weg zu denken. In den letzten Jahren wieder modern geworden, werden dazu heute gerne Haarkränze kombiniert. Die Tradition besagt, dass der Brautvater oder auch die Brautmutter den Brautstrauß vor dem Standesamt oder der Kirche der Braut übergibt. Heute übernimmt diesen Part auch gerne der Bräutigam selbst. Nämlich dann, wenn er das erste Mal auf seine Braut trifft.
Üblich ist es heute, dass der Brautstrauß entweder nach der Trauung oder später am Abend geworfen wird. Und zwar rücklings von der Braut selbst. Dazu stellen sich alle unverheirateten Damen zuvor auf einen Fleck zusammen und der Aberglaube besagt: „Wer den Strauß fängt, kommt als nächste unter die Haube.“
Anders der Brauch in Tirol: Den dort heben viele den Brautstrauß auf und trocknen ihn. Damit er stets über das Glück der Frischvermählten wachen kann.

Kranzl abtanzen
Hierbei handelt es sich um einen schönen alten Brauch, der leider etwas in Vergessenheit geraten ist. Um Mitternacht findet das Kranzl abtanzen statt, wo der Braut der Kranz oder der Schleier abgenommen wird und sie symbolisch fortan keine Braut mehr, sondern Ehefrau ist. Von Region zu Region unterscheidet sich die Durchführungsweise dieses Brauchs. Anbei zwei Möglichkeiten:
Eine Variante ist die, dass die Gäste mit dem Ehemann und der (nunmehrigen) Ehefrau nach der Kranzlabnahme ein paar Takte zur Musik tanzen. Damit sie allerdings ein paar Takte mit dem nunmehrigen Ehepaar tanzen dürfen, müssen sie vorab einen kleinen Beitrag in einen Hut spenden. Das Geld ist später für das Brautpaar.
Eine andere Variante ist die, dass um Mitternacht von der Brautmutter oder der Kranzldame das Kranzl oder der Schleier abgenommen wird. Stattdessen bekommt die Braut ein Kopftuch umgebunden, was nunmehr ihr Ehefrau-sein symbolisiert. Die Gäste werfen indes Geld auf die Tanzfläche und müssen sodann Ehemann und Ehefrau begleitet von Musik das Geld zusammenkehren, welches dann ihnen gehört.

Braut stehlen
Das Braut stehlen hat auch schon länger Tradition. Die Brautentführung geschieht während der Hochzeitsfeier, nämlich dann, wenn der Bräutigam auf seine Braut nicht aufpasst! Die Brautentführer und ihr Gefolge machen sich mit der Braut auf den Weg in ein umliegendes Wirtshaus/Lokal. Dort wird fröhlich gefeiert und getrunken, solange bis der Bräutigam seine Braut auslösen kommt. Das kann durchaus teuer werden, wenn der Bräutigam erst mal das richtige Lokal finden muss. Heute wird die Auslöse zumeist vom Trauzeugen oder der Trauzeugin des Bräutigams übernommen. Haben die Entführer beim Braut stehlen auf den Brautstrauß vergessen, dann kann der Bräutigam seine frisch angetraute Frau mit dem Strauß und bargeldfrei auslösen.
Tipp: Es empfiehlt sich, besser zuvor nachzufragen, ob diese Tradition vom Brautpaar erwünscht ist. Viele Brautpaare investieren viel Zeit und Geld in ihr einmaliges Fest und möchten dann nicht von der Hochzeitsgesellschaft „weggerissen“ werden und stattdessen ihr Fest in vollen Zügen genießen. Auch sollte man darauf achten, wenn man diese Tradition pflegt, dass die Stimmung bei der zurückgebliebenen Hochzeitsgesellschaft nicht kippt. Diese Gefahr besteht besonders bei kleineren Hochzeiten, wenn die Hälfte der Gesellschaft mit der Brautentführung beschäftigt ist. Es ist daher ratsam, ein gutes Alternativprogramm vorzubereiten (zB in Abstimmung mit der Musik, welche die verbliebene Gesellschaft unterhält und schaut, dass die Stimmung nicht verloren geht). Auch sollte die Braut nicht zu weit weg entführt werden. Am Ende möchten doch alle gemeinsam das schöne Fest feiern.

Etwas Altes, etwas Neues, etwas Gebrauchtes & etwas Blaues
„Something old, something new, something borrowed and something blue“ besagt ein altes englisches Sprichwort, das sich heute auch in unseren Breiten immer mehr durchsetzt. Ausgestattet mit etwas Altem, etwas Neuem, etwas Gebrauchtem und etwas Blauem soll die Braut vor den Traualtar treten, damit – dem Brauch oder Aberglauben nach – die Ehe glücklich wird. Vielmehr steckt dahinter allerdings die Symbolik der einzelnen Gegenstände.
Etwas Neues steht für den Beginn des neuen Lebensabschnittes. Eine neue Zeit bricht heran.
Etwas Altes steht für die Vergangenheit, die man nicht vergessen soll, auch wenn nun ein neuer Lebensabschnitt beginnt.
Etwas Geborgtes steht einerseits für den Familien- und/oder Freundeskreis. Es soll den Halt symbolisieren, den diese in schweren Zeiten dem Ehepaar geben. Leiht sich die Braut etwas Geborgtes von einer bereits verheirateten Freundin, so „borgt“ sie sich das Glück aus und hofft, dass ihre eigene Ehe auch so glücklich werden mag.
Etwas Blaues steht für Treue und Reinheit. Früher war blau eine beliebte Hochzeitsfarbe, heute versucht man etwas Blaues mit kleinen Accessoires einzuarbeiten. Ob im Brautstrauß oder als Strumpfband…

Dies ist ein kleiner Auszug aus unzähligen Hochzeits-Bräuchen, Sitten und Traditionen. Brauchtumspflege wird in Österreich zum Glück noch groß geschrieben. Ich hoffe, dass unsere Bräuche noch lange von Generation zu Generation weitergetragen werden, denn sonst sterben sie irgendwann aus. In diesem Sinne: Habt Spaß dabei und behaltet die Symbolik stets im Gedanken!


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